„Dies ist hier heute ja nur der Startschuss, um Schule und Fußball in ihrer Entwicklung gemeinsam denken zu können.“
Holstein Kiel zu Gast am HGG – Interview mit Dominic Peitz und Torben Hartjen vom NLZ
Anlässlich der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages zwischen dem Hans-Geiger-Gymnasium und Holstein Kiel Mitte November standen Dominic Peitz, Direktor des Nachwuchsleistungs-zentrums von Holstein Kiel, sowie Torben Hartjen, pädagogischer Leiter des NLZ, Ceyda und Mira aus der Social Media Redaktion des HGG Rede und Antwort.
Mira: Herr Peitz, Sie haben in Ihrer Jugend unter anderem für Paderborn gespielt. Was hat sich in ihren Augen in Hinblick auf die Jugendarbeit im Fußball seitdem verändert?
Dominic Peitz: Ich denke, jeder Standort ist unterschiedlich. Generell lasse ich meine Erinnerung als Jugendspieler in meine heutige Arbeit einfließen, wenngleich ich viel mehr die Ansätze aus meiner Profizeit mitnehme, wie das Fußballgeschäft funktioniert. Wir versuchen mit Holstein Kiel einen etwas anderen Ansatz zu finden als diesen kühlen, stark leistungsorientierten Weg. Es ist uns wichtig, den Menschen mitzunehmen, den Schüler, als dass unser Weg der reine Profiweg ist.
Mira: Welche Bedeutung hat das NLZ für einen Verein wie Holstein Kiel?
Dominic Peitz: Zum einen muss ein Verein, der in der 1. oder 2. Bundesliga spielt, ein Leistungs-zentrum führen. Ansonsten darf man gar nicht teilnehmen an der 1. oder 2. Liga. Zum anderen bin ich froh, dass Holstein Kiel schon immer den Gedanken hatte, ein Nachwuchsleistungszentrum zu führen. Auch vor dem Eintritt in die 2. Liga im Jahr 2017 hat man die Jugendarbeit noch einmal stärker professionalisiert und Gelder zum Ausbau der Jugendarbeit zur Verfügung gehabt. In der Position, in der ich jetzt bin, bin ich im sechsten Jahr. Ich habe sehr viele tolle Mitarbeitende gefunden, insgesamt 90 Menschen, die sich nur um den Nachwuchs kümmern, mit 150 Spielern, die wir im NLZ haben. Diese Mitarbeitenden unterstützen die Spieler dabei, das Schulische mit dem Sportlichen zu verbinden. Daher ist die Bedeutung des NLZ für uns als Verein sehr groß. Über uns als NLZ gibt es im Grunde nur die Profimannschaft, auch wenn es viele weitere Bereiche im Verein gibt, wie zum Beispiel die Buchhaltung, das Mitgliederwesen, Merchandising, Marketing, Vertrieb und viele mehr. Hier sind ja sehr viele Menschen tätig.
Das Kerngeschäft ist und bleibt der Fußball. Und das NLZ könnte man als „Produktion“ für die Profimannschaft bezeichnen.
Mira: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des NLZ von Holstein Kiel?
Dominic Peitz: Diese Frage gebe ich gerne an Torben Hartjen weiter.
Torben Hartjen: Für die Zukunft des NLZ von Holstein Kiel wünsche ich mir, dass wir diese Entwicklung, die wir gerade haben, weitergehen können, dass wir es schaffen, einen ganzheitlichen Ansatz zu fahren. Das bedeutet, den Menschen zu sehen und nicht nur den Spieler. Wir wollen die Förderung nicht nur auf das Sportliche beziehen, sondern auch das Privatleben einzubeziehen, damit wir gesunde und glückliche Menschen haben, die dann auch erst ihre Leistung abrufen und ihre Leistungsspitze erreichen können. Natürlich wollen wir auch sportliche Erfolge feiern und so viele Profis wie möglich generieren. Jeder Spieler, der aus unserem NLZ hervorgeht, soll auf das Leben vorbereitet sein.
Dominic Peitz: Ergänzen könnte man, dass man unseren Standort, da wir das einzige NLZ in unserem Bundesland sind, als fußballerische Universität sehen kann. Wenn du dich in Schleswig-Holstein fußballerisch ganz in der Spitze ausbilden lassen willst, dann bist du irgendwann bei Holstein Kiel im NLZ richtig aufgehoben, weil bei uns die Fördermaßnahmen auf einem sehr umfangreichen und professionellen Niveau stattfinden und hier in die Entwicklung von Spielern, die im besten Fall den Weg zu den Profis schaffen, viel Geld investiert wird.
Mira: Vielen Dank für das Interview.
Ceyda: Herr Hartjen, könnten sie sich bitte kurz vorstellen?
Torben Hartjen: Mein Name ist Torben Hartjen, ich bin mittlerweile in der neunten Saison bei Holstein Kiel, habe sieben Jahre hier als Jugendtrainer arbeiten dürfen und schon früh als Nachhilfelehrer die Spieler unterstützt. Seit vier Jahren bin ich im Bereich Pädagogik im NLZ tätig und darf diese Abteilung seit Anfang des Jahres leiten.
Ceyda: Herr Hartjen, welche Herausforderungen haben Jugendspieler bei Holstein Kiel in Hinblick auf die Schule zu meistern?
Torben Hartjen: Das ist eine gute Frage. Es sind viele Herausforderungen, die zusammenlaufen. Die schulischen Herausforderungen kennst du, glaube ich, auch. Man muss alles schaffen, sich schulisch weiterentwickeln, Klassenarbeiten schreiben, sich selbst finden und sich persönlich weiterentwickeln, dies sind alles typische Herausforderungen von Jugendlichen. Bei unseren Jugendspielern kommt die sportliche Komponente hinzu. Der sehr hohe zeitliche Aufwand ist durch vier Trainingseinheiten und Spiele am Wochenende gegeben.
Die größte Herausforderung besteht darin, die zeitlichen Ressourcen zu organisieren und zu strukturieren, alles unter einen Hut zu bekommen und sich weiterzuentwickeln. Natürlich muss man auch Drucksituationen meistern und performen können.
Ceyda: Wie unterstützt Holstein Kiel die Spieler in Bezug auf die Vereinbarkeit von Leistungssport in Verbindung mit Schule und Ausbildung?
Torben Hartjen: Wir haben viele schulischen Unterstützungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch elf Nachhilfekräfte, die allesamt auf Lehramt studieren, und verschiedene Nachhilfeangebote unterbreiten. Schule stellt die erste Priorität dar, denn die Chance, Profi zu werden, ist dann doch ziemlich gering. Daher unterstützen wir auch mit verpflichtenden Nachhilfestunden, wenn die schulischen Leistungen nicht stimmen oder es droht, schulisch schwierig zu werden.
Ceyda: Welche Bedeutung hat die heute unterschriebene Kooperationsvereinbarung zwischen Holstein Kiel und dem HGG?
Torben Hartjen: Die Bedeutung ist sehr groß, da wir damit unser Verbundsystem der Schulen in Kiel mit einer weiteren Region in Kiel abdecken. Es geht nur zusammen und hier, mit den großartigen und ambitionierten Lehrkräften wie Frau Dahmke und Herrn Panning, die voll hinter dem Förderkonzept stehen, haben wir die Förderung auch vor der Kooperation schon voran-getrieben, sodass wir hier eine gute Grundlage haben, das Ganze wachsen zu lassen. Dies ist hier heute ja nur der Startschuss, um Schule und Fußball in ihrer Entwicklung gemeinsam denken zu können.
Ceyda: Ich bedanken mich bei Ihnen, auch im Namen der Schule, dass Sie uns dieses Interview ermöglicht haben.


Für die Talentförderung Sport am HGG, Christian Panning, 1.12.2025

